Das Köberchen bringt Geld

Die Geschichte zum Köberchen Original Königsbrücker Kräuterlikör

Eine Sage aus der Radeburger Gegend

Ein Bauer hatte eine Magd, die ihm jeden Abend , wenn das Tagwerk getan war, Bier holen mußte. Dem Gastwirt jedoch fiel es auf, das die Magd jedes mal mit einem Goldstück bezahlte. Er erzählte einem Freund davon und dieser meinte: „Sieh zu, daß du das Geld behälst, hier geht es gewiß nicht mit rechten Dingen zu“. Wie die Magt wieder dagewesen war, nahm der Wirt Nagel und Hammer und nagelte das Goldstück über die Türe. Kaum war die Magd aus dem Hause getreten, so klingelte das Goldstück, als wolle es auf und davon. Die Magd aber bezahlte nie wieder mit einem Goldstück.

  

Aehnliches wird von einem Knaben erzählt, der immer Geld hatte und darum viel öfterer Süßigkeiten naschen konnte, als alle anderen. Darüber beneideten ihn seine Kameraden und hätten gern gewußt, wo er das Geld her hätte. Einem seiner Kameraden offenbarte er sich auch. „Ich lege jeden Abend meine Geldtasche unter die Schleuße“, sagte er, „am anderen Morgen ist sie dann mit Geld gefüllt“.  Er mußte aber das Geld an jedem Tage vertun, sonst wäre der Geldsegen ausgeblieben. Aus diesem Grunde kaufe sich der Knabe Tag für Tag Zuckerzeug, Schokolade, Marzipan, Wurst, Schinken, Semmel, just wozu er Appetit hatte. Das mußte den Eltern gar bald auffallen. Waren sie doch arm und hatten es durchaus nicht dazu, Geld zu vergeuden. Sie drangen deswegen in den Knaben, daß er gestehe, woher er das Geld sei. Als aber die Eltern mit den härtesten Strafen drohten, da gestand er es ihnen mit Tränen im Auge. Die Elter waren beruhigt darüber, ja sie freuten sich sogar, da ihr Sohn doch nicht unehrlich gewesen war. Aber ihre Freude sollte gar bald in große Trauer verwandelt werden. Am nächsten Morgen fand man den Knaben tot im Bett. Ihm war der Hals umgedreht.

In demselben Orte gingen einst arme Leute in den Wald um Holz zu holen. Dabei fanden sie unter einem Strauch geduckt ein nasses Hühnchen. Das nahmen sie mitleidig mit nach Hause. Als es sich erwärmt und getrocknet hatte, lief es in der Stube herum und ließ Geld fallen. Erschrocken darüber schafften es die Leute fort. Aber es kam immer wieder. Erst als man auf den Rat des Pfarrers, beim hinausschaffen betete, blieb das Tier aus.

 

Von einem anderen Köberchen wird folgendes erzählt: In einem Bauernhause war das Köberchen ebenfalls eine schwarze Henne, die aber schon längere Zeit im hause weilte. Jeden Morgen fütterte sie der Bauer und fand jeden Morgen ein Goldstück, das auf der Schwelle lag, als Lohn. Lange hatte der Mann darüber geschwiegen, denn es war ein ganz artiges Trinkgeld für ihn. Als aber die Frau dahinter kam, schlug sie Lärm, denn sie witterte Unrat. Da blieb das Tier weg. Als aber am nächsten Morgen der Bauer um die Henne zu füttern vor die Tür trat, bekam er eine tüchtige Ohrfeige.